Digitalisierung als ein Hindernis für Teilhabe

Schon seit vielen Jahren erhält die Digitalisierung Eintritt in allen Bereichen unseres Lebens: Bewerbungsunterlagen werden online eingereicht, Zugtickets online gekauft, Überweisungen online getätigt und Schulungen online besucht. In den letzten Monaten – in den Wochen des Lockdowns und mit den neuen Hygiene- und Sicherheitsstandards aufgrund der Corona-Pandemie – hat sich dieser Trend nur noch weiter beschleunigt. Für alle, die sich in der digitalen Welt gut zurechtfinden, erleichtert diese Entwicklung Vieles. Wer allerdings nicht mit digitalen Medien umgehen kann, wird zunehmend ausgeschlossen von (schnellen und kostengünstigen) Informationen und der Nutzungsmöglichkeit von Dienstleistungsangeboten. Dabei sind Informationen und der Zugang zu diesen wesentlicher Bestandteil von Selbstbestimmung sowie gesellschaftlicher und politischer Teilhabe.

Menschen mit geistiger Behinderung als Nutzergruppe von digitalen Angeboten

Noch vor wenigen Jahren – und teilweise bis in die heutige Zeit – wurde Menschen mit Behinderung der Zugriff auf digitale Medien erschwert. Zum einen gab es in Wohngruppen meist keinen Internetzugang. Zum anderen konnten sie durch ein in der Regel geringes Einkommen oft weder die Mittel für einen eigenen Computer oder ein eigenes Handy noch für die damit einhergehenden laufenden Kosten aufbringen. Dadurch fiel es schwer, eigene Erfahrungen zu sammeln und Lösungskompetenzen auf diesem Gebiet aufzubauen. Doch inzwischen gehören auch Menschen mit geistiger Behinderung zunehmend zur Nutzergruppe von Smartphones, Tablets und Computern. Allerdings gibt es bisher kaum Untersuchungen dazu, wie ihr Nutzerverhalten aussieht und welche Barrieren sich ihnen bei der Anwendung stellen. Entsprechend gibt es auch keine Leitlinien für die Erstellung barrierefreier Internetseiten oder Apps. Ein barrierefreier Zugang zu digitalen Informationen und modernen Kommunikationstechnologien ist für Menschen mit einer geistigen Behinderung somit nicht bzw. nur begrenzt möglich. Während die Digitalisierung für einen Großteil der Nutzer*innen also vornehmlich Vorteile mit sich bringt, werden Menschen mit einer Lern- oder geistigen Behinderung weitgehend von den Vorzügen des digitalen Prozesses ausgeschlossen. Das möchten wir ändern.

#LeichtOnline für digitale Barrierefreiheit

Mit unserem im Januar 2021 startenden Projekt #LeichtOnline – Digitale Barrierefreiheit für Menschen mit kognitiven Behinderungen lösen wir diese Situation auf. Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, das Nutzerverhalten von Menschen mit geistiger Behinderung zu erforschen. Damit möchten wir den Anstoß geben, dass auch die Bedürfnisse dieser Menschen in der digitalen Welt berücksichtigt werden. Mit Hilfe von Nutzungstests – sogenannten Usability-Tests – untersuchen wir, wie eine Internetseite oder App aussehen muss, damit Menschen mit geistiger Behinderung sich gut orientieren und sie gut bedienen können. Dafür suchen wir Teilnehmende mit einer geistigen Behinderung bzw. Lernbehinderung, die verschiedene Internetseiten und Prototypen auf ihre Verständlichkeit und Bedienbarkeit prüfen. Ihre Prüfergebnisse und Hinweise sollen Aufschluss darüber geben, welche Barrieren überhaupt bestehen. Alle Ergebnisse fließen in Form konkreter Gestaltungshinweise maßgeblich in Leitfäden ein, die wir der Öffentlichkeit kostenfrei zur Verfügung stellen werden. Auch ein Beratungsangebot für Programmierer und Software-Entwickler soll auf Grundlage der Ergebnisse entstehen.

Aufruf: Wir suchen Teilnehmer*innen!

Sie interessieren sich für Internet und haben Lust an einem Usability-Test teilzunehmen? Wir freuen uns, wenn Sie sich bei uns melden! Infos in Leichter Sprache zu den Tests finden Sie hier: https://lhhh.de/2020/11/16/internet-und-leichte-sprache/.

Vielen Dank an die Aktion Mensch Stiftung

Die Aktion Mensch Stiftung fördert das Projekt #LeichtOnline für die Laufzeit von 4,5 Jahren. Wir freuen uns sehr darüber, dass sie unser Projekt möglich machen.

Logo: AktionMensch Stiftung

Ansprechpartnerin:
Britt Jensen

E-Mail: Britt.Jensen@LHHH.de
Telefon: (040) 689 433 – 17